Finnland. Die finnische nationale Nachrichtenagentur STT hat angekündigt, Ende März sämtliche journalistischen Aktivitäten einzustellen. Seit September wird dort über Umstrukturierungen verhandelt – das ist das Ergebnis. Damit endet der Betrieb kurz vor den finnischen Parlamentswahlen am 18. April 2027. Internationale Medien müssen sich nach neuen Ansprechpartnern umsehen. Darüber berichtete auch Yle.
Die Nachricht vom Ende kommt kurz vor dem 139. Geburtstag der Agentur. STT lieferte Nachrichten und Bilder für finnische und andere Medien. Die Bildagentur Lehtikuva, gegründet 1951, gehört seit 2010 dazu. Mehrheitseigner an STT ist Sanoma Media Finland. STT hat Anfang des Jahres große Kunden wie Helsingin Sanomat und Ilta Sanomat desselben Eigners verloren.
Ende 2017 hatte STT bereits den schwedischsprachigen Teil seiner Redaktion eingestellt, damals wurden zehn Journalisten entlassen. Jetzt müssen 89 Leute gehen, davon 68 Journalisten, sowie 30, die befristet angestellt waren.
Journalistenverbund: STT nicht ein Medienunternehmen unter vielen
Die Vorsitzende des finnischen Journalistenverbundes, Marjaana Varmavuori, nannte den Bescheid „erschütternd“. STT sei nicht einfach nur ein Medienunternehmen unter vielen. Seine Rolle bei der Erstellung und Verbreitung verlässlicher Informationen in Finnland sei unersetzlich. „Ich bin zutiefst schockiert, dass der Staat und die Medienunternehmen zulassen, dass unsere nationale Nachrichtenagentur zugrunde geht.“
Ministerin: Agentur ist von der Zeit überholt worden
Die zuständige finnische Ministerin, Lulu Ranne von den Basisfinnen, sieht das anders: STTs Nachrichtenredation habe es nicht geschafft, sich zu erneuern und den Veränderungen in der Medienbranche anzupassen. Sie sei von der Zeit überholt worden. Ranne sieht die Eigentümer in der Verantwortung. Die Regierung habe bereits Geld angeboten.
Die Regierung hatte einen Zuschuss von etwa einer Million Euro angeboten, um STT zu unterstützen. Laut Yle hat STT das abgelehnt, weil es nicht gereicht hätte, um die Agentur zu retten.
Rannes Ministerkollege Anders Adlercreutz (Schwedische Volkspartei) will das Thema aber noch einmal in der Regierung auf die Tagesordnung bringen.
Diskussion über Alternativen
Die Ankündigung hat eine Diskussion über den gesamten Mediensektor in Gang gesetzt. Dass Finnland künftig keine eigene nationale Nachrichtenagentur haben soll, ist für viele ein Unding – gerade deshalb, weil Nachrichten heute aus vielen Quellen kommen, die nicht alle zuverlässig sind.
Kompetenz und gute Verbindungen schwer zu ersetzen
Varmavuori und Kommunikationswissenschaftler Heikki Hellman von der Universität Tampere haben für den finnischen öffentlich-rechtlichen Sender Yle acht Alternativen zusammengestellt, wie es weitergehen könnte. Einig sind sie sich darin, dass die aktuelle Eignerstruktur ungünstig ist. Die Kompetenz und die guten Verbindungen von STT zu internationalen Medien seien jedoch sehr schwierig zu ersetzen.
Die von beiden bevorzugte Lösung wäre ein Modell ähnlich dem des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – das der Agentur eine finanzielle Basis geben würde, aber seine inhaltliche Unabhängigkeit bewahren würde. Dem Sender Yle sind jüngst allerdings auch die Mittel gekürzt worden.
Im nordischen Vergleich bezuschusst Finnland Medien weniger
Nicht nur in Finnland ist es schwierig, Medienprojekte wirtschaftlich zu betreiben. Es ist umso schwieriger, wenn die Zielgruppe, zum Beispiel aufgrund der Einwohnerzahl, begrenzt ist. In allen nordischen Ländern gibt es deshalb – neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk – auch staatliche Zuschüsse für andere Medien, mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Finnische Medien erhalten allerdings im Vergleich deutlich weniger Unterstützung als die in anderen nordischen Ländern.
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