Norwegen. Gleich nach seinem Wahlsieg im vergangenen Jahr wollte der Sozialdemokrat Jonas Gahr Støre den geplanten Schiffstunnel von Stad aufgrund der Kosten endgültig beerdigen. Doch eine Mehrheit im Parlament bestand auf weitere Verhandlungen mit den drei Anbietern, die das Projekt umsetzen wollen. Das Ergebnis liegt nun vor: 8,6 Milliarden NOK, umgerechnet 760 Millionen Euro. Das könnte aber schon wieder veraltet sein.
Der Schiffstunnel durch die Halbinsel Stadlandet, ein Stück südlich von Ålesund, sollte die Küstenschifffahrt sicherer machen. Immer wieder war die Tunnelplanung in der Vergangenheit wegen der hohen Kosten gestoppt, dann aber wieder aufgenommen worden. Im vergangenen Jahr war es dann immerhin zur Ausschreibung gekommen. Deren Ergebnis veranlasste Støre dazu, die Notbremse ziehen zu wollen: 9,4 Milliarden NOK, umgerechnet 800 Millionen Euro. Der Storting hatte einst einen Kostenrahmen von 5,4 Milliarden NOK dafür beschlossen.
Minderheitsregierung in der Tunnelfrage überstimmt
Doch der Tunnel hat seine Fans, vor allem in den Anliegerkommunen, für deren Küstenschifffahrt er eine große Erleichterung wäre. Denn der Seeweg um die Halbinsel Stadlandet ist berüchtigt. Senterpartiet, die konservativen Høyre, die christliche Volkspartei und die rechte Fremskrittspartiet taten sich zusammen, überstimmten Støres Minderheitsregierung in dieser Frage und bestanden darauf, dass mit den drei Bewerber- Firmen über das Ausschreibungsergebnis verhandelt wird. Die Verhandlungen führte Kystverket.
800 Millionen NOK billiger
Das Ergebnis dieser Verhandlungen liegt nun vor: Statt 9,4 Milliarden NOK soll der Schiffstunnel „nur noch“ 8,6 Milliarden Euro kosten. Einige Details waren dafür geändert worden. Die Befürworter feiern dies als Erfolg, wie man bei NRK lesen kann. Støres Parteikollegin, Fischereiministerin Marianne Sivertsen Næss, verweist auf den vom Parlament gesetzten Kostenrahmen – es sei immer noch zu viel.
Stimmt die Kalkulation noch?
Dazu kommt: Die Kalkulationen der drei Firmen entstanden noch vor dem Irankrieg. Als dessen Folge sind weltweit die Treibstoffpreise gestiegen. Da dürfte auch Auswirkungen auf das Bohren eines 1,7 Kilometer langen, 50 Meter hohen und 36 Meter breiten Tunnels durch eine felsige Halbinsel haben.
Das letzte Wort zum Schiffstunnel von Stad ist aber noch nicht gesprochen.
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