Spitzbergen (Norwegen). Die aufgetaute obere Schicht im Permafrost auf Spitzbergen ist schon jetzt tiefer als am Ende der Saison 2024, wo es 2,18 Meter waren. Das zeigen die Daten der Permafrost-Messstation auf dem Janssonhaugen. Bis zum Rekordwert des vergangenen Jahres fehlen noch etwa 10 Zentimeter. Diese Entwicklung wird auch Folgen für die Bebauung haben. Eine Forschergruppe mit Fachleuten verschiedener Institute erstellte dazu nun detaillierte Karten für Longyearbyen und Ny Ålesund, die der lokalen Verwaltung helfen sollen, sich auf zukünftige Ereignisse einzustellen. Die Ergebnisse des Projekts PermaRICH sind im Fram Forum und bei NRK zusammengefasst.
Auf Permafrost bauen hieß bisher, Häuser auf Pfähle zu stellen und selbst Rohrleitungen verlaufen über der Erde. Taut die obere Schicht im Sommer aber immer tiefer auf – wenn auch nur für wenige Wochen -, kann das dazu führen, dass die Stabilität leidet. Doch das sind nicht die einzigen Gefahren: Aufgetauter Boden lässt sich leichter bewegen und ist deshalb anfälliger für Erosion oder Erdrutsche.
Unterschiedliche Kriterien für Kulturdenkmäler und moderne Gebäude

Kulturdenkmal Taubanesentralen in Longyearbyen – früher wurde die Kohle aus den Bergwerken per Seilbahn zum Hafen transportiert.
Das PermaRich-Team sammelte zunächst Daten über die Bodenbeschaffenheit und die aktuellen Bodenbewegungen durch Satellitendaten und Vermessungen vor Ort. Dazu wurden auch an zwei Stellen eigene Permafrostmessungen vorgenommen. Danach analysierten sie die existierenden Bauwerke und deren Funktion und ermittelten, wie gefährdet diese sind und welche Folgen das für die Gesellschaft hätte. Dabei wurde unterschieden zwischen Kulturdenkmälern wie der Seilbahn und aktuell von Menschen genutzten Bauten, seien es Geschäfte, Wohnungen oder Verwaltungsgebäude.Diese beiden Gruppen wurden nach unterschiedlichen Kriterien bewertet.
Insgesamt befinden sich danach mehr Kulturdenkmäler in Risiko- oder Hochrisikobereichen als moderne Gebäude. Von den 1028 modernen Gebäuden haben 18 ein „mittleres bis hohes“ und 269 ein niedriges bis mittleres Risiko, der Rest liegt darunter.
„Thema Permafrost ganzheitlich auf nationaler Ebene behandeln“
In einem Debattenartikel für Svalbardposten empfehlen drei der beteiligten Wissenschaftlerinnen, das Thema Permafrost ganzheitlich auf nationaler Ebene zu behandeln. Bisher seien unterschiedliche Einrichtungen für unterschiedliche Gebäude zuständig – das sei nicht wirkungsvoll genug, um Schäden vorzubeugen.
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