Andøya (Norwegen). Die Nationale Touristenstraße Andøya verläuft an der Grenze zwischen Meer und Land und bietet spektakuläre Ausblicke. Auf dem Rastplatz Bukkekjerka kann man innehalten und genießen. Auf die Toilette gehen kann man aber nicht mehr: Das preisgekrönte Sanitärgebäude mit Aussicht aufs Meer wurde geschlossen – „aufgrund der aktuellen sicherheitspolitischen Situation“. Von dort aus kann man den Raketenstartplatz Andøya Space sehen. Darüber berichtete NRK.

Rastplatz Bukkekjerka, Andøya. Design von Morfeus Arkitekter. Foto Frid-Jorunn Stabell, Statens vegvesen
Auf dem Raketenstartplatz werden zivile Forschungsraketen gestartet, und die Orbitalrakete von Isar Aerospace wartet dort noch auf ihren Flug ins All. Es wird aber auch militärisches Material getestet. Andøya Space könnte deshalb durchaus auch das Interesse ausländischer Nachrichtendienste wecken, insbesondere, seit sich die Aktivitäten dort jüngst verstärkt haben. NRK erinnert an die jüngsten Zuschläge des norwegischen Nachrichtendienstes PST: In einem Container in Oslo wurde ein 22 Tonnen schwerer Satellitenempfänger beschlagnahmt. Im Zusammenhang mit dieser Aktion wurde auch eine chinesische Staatsbürgerin verhaftet – auf Andøya. Sie wird der Beihilfe zur Spionage beschuldigt.
Überdimensionierter Satellitenempfänger
Der Satellitenempfänger sollte laut der Berichterstattung für eine Gesellschaft bestimmt sein, die angab, damit Wetterdaten einholen zu wollen. PST hat allerdings den Verdacht, dass er stattdessen in Andøya eingesetzt werden sollte, denn für Wetterdaten sei er überdimensioniert. Auch das angegebene Geschäftsfeld der Gesellschaft überzeugte PST nicht: Unter anderem sollte Krill-Öl vermarktet werden. Krill wird jedoch kommerziell nur vor der Antarktis gefangen, vor Nordnorwegen ist das verboten. PST vermutet den chinesischen Staat hinter der Aktion. Ein Vertreter des chinesischen Außenministeriums wies das gegenüber NRK zurück.
Preisgekröntes Toiletten-Design
Die nun geschlossene Toilette auf dem Rastplatz Bukkekjerka hat verspiegelte Außenwände, und wer sich auf dem Örtchen befindet, kann hinaussehen, ohne selbst gesehen zu werden. Das Design von Morfeus Arkitekter gewann mehrere Architektenwettbewerbe und der Bau kostete 20 Millionen NOK (umgerechnet aktuell 1,86 Millionen Euro). Wie viele Anlagen entlang einer Nationalen Küstenstraße ist dieser selbst ein architektonischer Blickfang. Ein anderes Beispiel ist Ureddplassen am Fylkesvei 17 mit Blick auf die Lofoten.
Parkplatz weiter zugänglich
Wie NRK berichtet, war der Bürgermeister von Andøya, Kjell- Are Johansen, äußerst überrascht über die Schließung der Toilette. Er habe Verständnis für Restriktionen in Zusammenhang mit dem Hochschießen von Satelliten. Doch eine Schließung der Toilette aaus Sicherheitsgründen den ganzen Sommer über könne er nicht nachvollziehen. Er verweist darauf, dass der Parkplatz weiter zugänglich sei und auch kein Fotografierverbot herrsche.
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