Spitzbergen (Norwegen). Spitzbergen liegt weit weg von jeder Großindustrie. Trotzdem haben die „Ewigkeitschemikalien“ PFAS den Weg dorthin gefunden. Sie lassen sich nicht nur in Raubtieren wie Eisbären nachweisen. Wie die Wissenschaftlern Malin Andersson Stavridis und ihre Co-Autoren nachweisen konnte, habe die Rentiere auf Spitzbergen sogar auffällig hohe PFAS-Werte, vor allem im Oktober, nach der vollen Weidesaison. Der wissenschaftliche Artikel dazu ist in Evironmental Science & Technology erschienen, es berichtete auch forskning.no.
Hauptautorin Malin Andersson Stavridis begann ihre Untersuchung auf Spitzbergen mit der Analyse von Rentier-Kot auf Schwermetalle und Umweltgifte – Rentier-Kot ist leicht zugängliches Probenmaterial. Während die Werte für Schwermetalle auf einem erwarteten und stabilen Niveau lagen, überraschten die hohen Werte für PFAS – so sehr, dass sie zuerst an einen Fehler glaubte. Bei PFAS handelt es sich um eine große Gruppe aus industriell hergestellten per- und polyfluorierten Alkylverbindungen, die in der Natur kaum abbaubar sind. Einige davon stehen im Verdacht, gesundheitliche Schäden hervorzurufen, unter anderem Krebs.
Unterschiedliche Werte im Sommer und Herbst
Im Rahmen eines größeren Forschungsprojektes konnte Malin Andersson Stavridis Gewebeproben aus für andere Zwecke getötenen Rentieren entnehmen, aus der Leber und Muskeln. Sämtliche Tiere waren im Bereich Reindalen gefangen und erschossen worden, ein Teil Anfang August 2022, ein Teil Ende Oktober 2023. Es zeigte sich, dass bei den Tieren, die erst Ende Oktober getötet wurden, die Werte für Schwermetalle und verschiedene PFAS-Gruppen in der Leber deutlich höher waren als bei denen, die schon Anfang August getötet wurden – vor allem PFAS war hoch. Dasselbe Muster zeigte sich auch in früher durchgeführten vergleichbaren Messungen.
Mehr Körpermasse, andere Futterpflanzen
Andersson Stavridis erklärt dies zum einen damit, dass ein Tier, das im Oktober getötet wird, noch zwei Monate mehr Zeit hat, Nahrung aufzunehmen – und damit auch Schadstoffe. Außerdem ändert sich die Diät der Tiere über den Sommer: Unter den später verzehrten Arten sind solche wie Salix polaris (Polarweide) , die dafür bekannt sind, bestimmte Schadstoffe aufzunehmen.
Spitzbergen-Rentiere sind perfekt an die harten Winter mit begrenztem Nahrungsangebot angepasst. Im Herbst können sie um die 70 kg wiegen, im Frühjahr dann nur noch um die 50 kg.
Transportierte und lokale Verunreinigungen
Aus den vorgefundenen PFAS-Gruppen lässt sich schließen, dass es sich primär um Stoffe handelt, die einen weiten Weg zurückgelegt haben, im Wasser oder durch die Luft. Es gab jedoch auch bekannte PFAS-Verunreinigung auf Spitzbergen, zum Beispiel frühere Löschübungen am Flughafen oder Verunreinigungen durch die inzwischen geschlossene und renaturierte Svea-Grube.
Mehr zu PFAS:









