Norwegen/Schweden. Sollten Felsritzungen nachgemalt sein, damit man sie besser sieht, oder sollte nur das ungemalte Original präsentiert werden? Heutzutage malt man Felsritzungen nicht mehr an – in Norwegen wird die Farbe sogar aktiv entfernt. Darüber berichtete NRK.
Aus wissenschaftlicher Sicht besteht heute Konsens darüber, dass die Felsritzungen in Norwegen und Schweden von ihren Urhebern nicht nachgemalt wurden. Die ungemalten, und damit schwer sichtbaren Ritzungen sind zweifellos das authentischere Erlebnis. Die Farbe kann den Originalen sogar schaden, wie man inzwischen weiß, “ da bei abblätternder Farbe kleine Mineralkörner von der Felsoberfläche mitgerissen werden können“, wie das Bergkunst-Welterbemuseum in Alta schreibt. Es zeigte sich auch, dass nicht alle der früheren Malungen korrekt waren.
Nachmalen der Felsritzungen in Skandinavien lange üblich
Allerdings war es in Skandinavien über Jahrzehnte üblich, Felsritzungen nachzumalen, um sie besser sichtbar zu machen – zumindest einen Teil dessen, was man vorzeigen kann. Wie NRK berichtet, hält beispielsweise das Welterbemuseum im schwedischen Tanum daran fest, auf den meistbesuchten Teilen der Anlage die Bemalung weiterhin zu erneuern, um die Motive einfach zugänglich zu machen. Laut der Tanum-Website handelt es sich dabei um zehn von 600 Felsen.
Was sagt das Publikum?
In Norwegen, zum Beispiel in Alta, Østfold oder Fredrikstad lässt man die Farbe dagegen verwittern und versucht sogar, bereits bestehende Farbe so schonend wie möglich zu entfernen. Noch unklar ist, wie das beim Publikum ankommt – eine Sache, die nun in Fredrikstad gezielt erforscht werden soll.
Schräges Licht hilft
Ein Nachteil ist ganz offensichtlich: Man sieht die Motive schlechter. Diese Tipps gibt Tanum, damit man die nicht nachgemalte Bergkunst besser sieht:
- Nicht um die Mittagszeit, sondern bei möglichst tiefstehender Sonne kommen, denn dies wirft größere Schatten und die Ritzungen sind besser sichtbar.
- Die Kontraste sind am nassen Berg sichtbarer
- Man kann die Ritzungen nach Einbruch der Dunkelheit auch mit der Taschenlampe anleuchten, sofern man um diese Zeit noch hinkommt.
Was hat die Menschen früher bewegt?
Die Felsritzungen zeigen unter anderem Tiere und Schiffe. Man kann erahnen, was die Menschen früher bewegt hat. Die Bergkunst in Alta beispielsweise ist 2000 bis mehr als 7000 Jahre alt. Ein Besuch ist nur zur schneefreien Zeit sinnvoll.
Mit der Landhebung nach oben gewandert
Neben den Geschichten um die Bilder ist noch ein zweiter Aspekt interessant: Die Felsritzungen wurden einst vom Strand aus auf Meeresebene angelegt. Aufgrund der postglazialen Landhebung liegen sie heute deutlich höher. Mehr dazu:


