Keine Betreuung: Gletschertöpfe „Hiidenkirnut“ werden zum Risiko

Rovaniemi (Finnland). So mancher Reisende in Nordfinnland hat in der Vergangenheit die „Hiidenkirnut“ von Sukulanrakka besucht – riesige Gletschertöpfe ein Stück südlich von Rovaniemi. Inzwischen wird allerdings davor gewarnt, denn die Treppen und Schutzzäune vor Ort werden nicht mehr instandgehalten. Um aus dem geologischen Phänomen wieder eine Touristenattraktion zu machen, wäre Geld notwendig, doch die Verhältnisse sind schwierig.  Darüber berichtete Yle. 

Der größte Gletschertopf hat zwei Löchern im Boden, die man allerdings nur sieht, wenn nicht viel Wasser darin steht. Foto von 2022.

Bei den „Hiidenkirnut“ von Sukulanrakka, auf Englisch als „Devil’s Churns“ bezeichnet, handelt es sich um 14 Gletschertöpfe, von denen drei besonders groß sind. Der größe ist acht Meter breit und 15 Meter tief. Entstanden sind sie vor rund 10 000 Jahren, am Ende der jüngsten Eiszeit. Schmelzwasser am Rand der Eisfront floss durch sogenannte Gletschermühlen nach unten hin ab und den Untergrund entlang. Dabei riss es herumliegende Steine mit sich. An einigen Stellen bildeten sich Wirbel, die den Fels aushöhlten – besagte Gletschertöpfe. Auf Finnisch heißt das Phänomen hiidenkirnut, und die von Sukulanrakka gehören zu den größten im Land überhaupt.

Um die „Hiidenkirnut“ von Sukulanrakka zu besichtigen, fährt man von der Straße 926 ab und etwa 1,5 Kilometer auf einem holprigen Weg bis zu einem Parkplatz. Die Gletschertöpfe sind in einem recht unzugänglichen, felsigen Gelände versteckt. Dank diverser Holztreppen lassen sich die steilen Wände überwinden, Plattformen bieten Ausblicke und Zäune sorgen dafür, dass niemand versehentlich in eins dieser tiefen Löcher stolpert. Die Dorfvereinigung von Rautasaari pflegte die Anlage über Jahrzehnte ehrenamtlich und pumpte auch immer wieder das Regenwasser aus den Gletschertöpfen, damit man die Tiefe sehen konnte.

Grenzen des ehrenamtlichen Engagements

Der Weg zu den Gletschertöpfen wird erleichtert durch einige Treppen, deren Zustand aber nicht mehr überprüft wird.

Im Herbst vergangenen Jahres gab die Vereinigung jedoch auf: Ehrenamtliche könnten nicht leisten, was nun nötig sei. Die Treppen und Zäune seien erneuerungsbedüftig, das koste Geld. Seitdem wird nichts mehr instandgehalten. Die „Hiidenkirnut“ befinden sich auf privatem Grund, seit mehreren Generationen in derselben Familie. Wie Yle berichtet, haben die  Grundeigentümer ein Schild aufgehängt, das vor den Bauwerken warnt und darauf hinweist, dass jeder auf eigene Gefahr unterwegs sei. Yle zitiert die Eigentümerin damit, man überlege, was zu tun sei. Es gebe aber bisher keine Verhandlungen mit irgendjemandem darüber. 

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Rentiere als Gewinner, Polarfüchse und Eiderenten als Verlierer

Spitzbergen (Norwegen). Ein warmes Frühjahr und wenig Meereis – das hatte Folgen für die Tierwelt auf Spitzbergen, wie sich nach den aktuellen Zählungen zeigte. Zu den Gewinnern gehörten in diesem Jahr die Rentiere, zu den Verlierern Polarfüchse und Eiderenten. Darüber berichtete Svalbardposten.

braunes Tier mit Geweih

Spitzbergen-Rentier 

1503 Rentieren zählten Åshild Pedersen und ihr Team vom Norwegischen Polarinstitut allein im Adventdalen – und nur zwei tote. Das unterscheidet sich deutlich vom vergangenen Jahr, als 1348 überlebende Tiere und 302 Kadaver gefunden wurden. Pedersen vermutet wenig Eis und Schnee im Winter sowie den frühen Frühling als Ursache für die hohe Überlebensrate in diesem Jahr. Dadurch kamen die Tiere schneller wieder an Futter. Aus Rentierperspektive war es mit Abstand der beste Winter seit Beginn der Überwachung des Bestands 1979. 1994 und 2003 wurden jeweils nur vier Kadaver gezählt – aber damals war der Bestand auch noch kleiner, 812 bzw. 916 Exemplare.

Hinweise auf weniger Polarfuchs-Nachwuchs

Polarfuchs 

Des einen Freud, des anderen Leid: Auf der Suche nach dem Polarfuchs-Nachwuchs fanden Pedersens Kolleginnen Eva Fuglei und Ingvild Øyjordet  nur jede zehnte Wurfhöhle im Bereich Adventdalen, Eskerdalen und Sassendalen besetzt. Die Höhlen werden mit Wildkameras überwacht. Fuglei führt diese Entwicklung darauf zurück, dass es wenig Rentierkadaver gab, also wenig Futter im Winter. Im vergangenen Jahr, mit 302 Kadavern allein in Adventdalen, waren 60 Prozent der Wurfhöhlen besetzt. Es sieht allerdings nicht überall gleich aus: So fand das Team in Ny Ålesund dieses Jahr mehr besetzte Höhlen vor als Fuglei.

Eisbären fraßen Eiderenten-Eier

Eiderente

Ganz schlechte Karten hatten in diesem Jahr die Eiderenten im Kongsfjord: Ihre Inseln bekamen fast täglich Besuch von Eisbären. Sveinn Are Hanssen und Børge Moe vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) hatten Kameras an elf Eiderenten-Nestern montiert. Bei zehn Nestern fraß ein Eisbär alle Eier. Zum elften kam auch einer, aber da waren die Küken schon geschlüpft, und alle konnten das Nest verlassen, bevor der Eisbär kam. Zwar leben Eiderenten lange und ein schlechtes Jahr bedroht nicht den Bestand. Doch in den vergangenen zehn Jahren hätten Eisbären mehrfach den Bruterfolg negativ beeinflusst, so die beiden Forscher. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Bestand um 28 Prozent geringer. 

Weniger Meereis, mehr Eisbären an Land

Wie Eisbärforscher Jon Aars vom Norwegischen Polarinstitut erklärt, seien die Eisbären auf der Suche nach Alternativen an Land, da sie bei weniger Meereis weniger Gelegenheit hätten, die von ihnen eigentlich bevorzugten Ringelrobben und Bartrobben zu jagen. Gemeinsam mit den Vogelspezialisten wies er nach, dass Eisbären im Sommer immer mehr an Land blieben, während das Meereis um Spitzbergen in den vergangenen 30-40 Jahren abgenommen habe. Diese Suche nach Futter an Land erweist sich als ein Problem für die Vögel – nur sehr wenige Eiderenten im Kongsfjord hätten es dieses Jahr geschafft, Nachwuchs aufzuziehen, so Hanssen und Moe. 

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