Reykjavík (Island). Das Árni-Magnússon-Institut in Reykjavík, das alte isländischen Handschriften aufbewahrt und ausstellt, hat Besuch. Fünf historische Handschriften, die die vergangenen Jahrhunderte auf dem Kontinent verbracht haben, sind für ein halbes Jahr zurück auf Island, darunter eins der vier Hauptbücher der Snorra-Edda. Dieses Manuskript und ein weiteres haben die Zeit in der Universitätsbibliotek von Uppsala überdauert, drei weitere stammen aus der Königlichen Bibliothek in Stockholm. Darüber berichtete unter anderem mbl.is.

Institutsleiterin Guðrún Nordal begutachtet die eigetroffenen Manuskripte. Foto Sigurður St. Jónsson/ Árnastofnun
Mehrere dieser Manuskripte waren durch die Hände von Bischof Brynjólfur Sveinsson (1605-1675) gegangen: Der Bischof von Skálholt hatte häufiger interessierten Gelehrten vom Kontinent isländische Handschriften zukommen lassen. Bei anderen ist es unbekannt, wie sie die Reise über das Meer schafften. Vermutlich waren sie dabei nicht so behütet wie nun auf dem Weg von Schweden nach Island. Zwei Jahre lang, so berichtet mbl.is, dauerten die Vorbereitungen. Zum einen, weil sie heute sehr wertvoll sind, zum anderen, weil sie aufgrund ihres Alters sorgfältige Behandlung benötigen. Personal der beiden Bibliotheken hatte die kostbaren Exemplare bis zur Ausstellungsvitrine begleitet.
Es handelt sich also um folgende fünf Manuskripte:
- Hómilíubókin, 1200, Pergament in einer Hülle aus Seehundsleder. Eins der ältesten isländischen Manuskripte, das fast vollständig erhalten ist. Es enthält Material für Predigten, Zielgruppe waren Pastoren.
- Uppsala-Edda/Codex Upsaliensis, 1300–1325, Pergament, eins der vier Hauptbücher der Snorra-Edda. Vermutlich verfasst von Snorri Sturluson als Handbuch der Dichtkunst mit Versmaßen und Verweisen auf die Nordische Mythologie.
- Bergsbók, um 1400, Pergament. Sagas über die norwegischen Könige Olaf Tryggvason und Olaf Haraldsson (der Heilige), die den christlichen Glauben in Norwegen verbreiteten. Erstere soll von Abt Bergur von Munkaþverá stammen, daher der Name. Versehen mit vielen Anmerkungen von Lesern in verschiedenen Sprachen.
- Grettis Saga, 1510–40, Pergament. Die Geschichte von Grettir Ásmundarson, der ungewöhlich stark war und immer wieder im Konflikt mit dem Gesetz.
- Codex Sparfvenfeldianus, 1641?, letzte Edda auf Pergament. Ein Handbuch Nordischer Mythologie und Dichtkunst, benannt nach dem schwedischen Sammler, der es eine Zeit lang besaß und sich darin verewigte.
Die Manuskripte sind bis zum 9. November im Árni-Magnússon-Institut zu sehen.
Überblick über alle aktuell präsentierten Handschriften der Ausstellung: Heimur í orðum/ World in Words
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