Spitzbergen (Norwegen). Ein warmes Frühjahr und wenig Meereis – das hatte Folgen für die Tierwelt auf Spitzbergen, wie sich nach den aktuellen Zählungen zeigte. Zu den Gewinnern gehörten in diesem Jahr die Rentiere, zu den Verlierern Polarfüchse und Eiderenten. Darüber berichtete Svalbardposten.
1503 Rentieren zählten Åshild Pedersen und ihr Team vom Norwegischen Polarinstitut allein im Adventdalen – und nur zwei tote. Das unterscheidet sich deutlich vom vergangenen Jahr, als 1348 überlebende Tiere und 302 Kadaver gefunden wurden. Pedersen vermutet wenig Eis und Schnee im Winter sowie den frühen Frühling als Ursache für die hohe Überlebensrate in diesem Jahr. Dadurch kamen die Tiere schneller wieder an Futter. Aus Rentierperspektive war es mit Abstand der beste Winter seit Beginn der Überwachung des Bestands 1979. 1994 und 2003 wurden jeweils nur vier Kadaver gezählt – aber damals war der Bestand auch noch kleiner, 812 bzw. 916 Exemplare.
Hinweise auf weniger Polarfuchs-Nachwuchs
Des einen Freud, des anderen Leid: Auf der Suche nach dem Polarfuchs-Nachwuchs fanden Pedersens Kolleginnen Eva Fuglei und Ingvild Øyjordet nur jede zehnte Wurfhöhle im Bereich Adventdalen, Eskerdalen und Sassendalen besetzt. Die Höhlen werden mit Wildkameras überwacht. Fuglei führt diese Entwicklung darauf zurück, dass es wenig Rentierkadaver gab, also wenig Futter im Winter. Im vergangenen Jahr, mit 302 Kadavern allein in Adventdalen, waren 60 Prozent der Wurfhöhlen besetzt. Es sieht allerdings nicht überall gleich aus: So fand das Team in Ny Ålesund dieses Jahr mehr besetzte Höhlen vor als Fuglei.
Eisbären fraßen Eiderenten-Eier
Ganz schlechte Karten hatten in diesem Jahr die Eiderenten im Kongsfjord: Ihre Inseln bekamen fast täglich Besuch von Eisbären. Sveinn Are Hanssen und Børge Moe vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) hatten Kameras an elf Eiderenten-Nestern montiert. Bei zehn Nestern fraß ein Eisbär alle Eier. Zum elften kam auch einer, aber da waren die Küken schon geschlüpft, und alle konnten das Nest verlassen, bevor der Eisbär kam. Zwar leben Eiderenten lange und ein schlechtes Jahr bedroht nicht den Bestand. Doch in den vergangenen zehn Jahren hätten Eisbären mehrfach den Bruterfolg negativ beeinflusst, so die beiden Forscher. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Bestand um 28 Prozent geringer.
Weniger Meereis, mehr Eisbären an Land
Wie Eisbärforscher Jon Aars vom Norwegischen Polarinstitut erklärt, seien die Eisbären auf der Suche nach Alternativen an Land, da sie bei weniger Meereis weniger Gelegenheit hätten, die von ihnen eigentlich bevorzugten Ringelrobben und Bartrobben zu jagen. Gemeinsam mit den Vogelspezialisten wies er nach, dass Eisbären im Sommer immer mehr an Land blieben, während das Meereis um Spitzbergen in den vergangenen 30-40 Jahren abgenommen habe. Diese Suche nach Futter an Land erweist sich als ein Problem für die Vögel – nur sehr wenige Eiderenten im Kongsfjord hätten es dieses Jahr geschafft, Nachwuchs aufzuziehen, so Hanssen und Moe.
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