Norwegen/Kanada. Auf Spitzbergen leben Eisbären, doch Jagd auf sie ist in Norwegen nicht erlaubt. Trotzdem kann man in Norwegen legal Eisbärenfelle kaufen – aus Kanada. Der Dokumentarfilm „Trade Secret“ von Abraham Joffe beschreibt, wie der löchrig der Schutzstatus von Eisbären weltweit tatsächlich ist, darin spielt auch ein Laden in Bergen eine Rolle. „Trade Secret“ hat seine Deutschlandpremiere demnächst auf der Doxumentale in Berlin (27.5.-7.6.).

Mit versteckter Kamera gedrehte Szene aus einem Laden in Bergen. Screenshot aus dem Trailer von Trade Secret
Der Film folgt mehreren Protagonisten sechs Jahre lang bei ihrere Recherche und ihrem Kampf für die Eisbären und gegen dubiosen Handel mit deren Fell. Einer von diesen ist der norwegische Naturfotograf Ole Liodden, der auch selbst ein Buch über seine Recherchen veröffentlich hat.
In Norwegen und Russland ist die Jagd auf Eisbären verboten, in Grönland, Kanada und Alaska ist sie der Urbevölkerung innerhalb bestimmter Quoten erlaubt. In Kanada darf ein Teil dieser Quote auch an außenstehende Jäger verkauft werden, wenn bei der Jagd bestimmte Anforderungen eingehalten werden. Der Verkauf von Eisbärenfellen ist im CITES-Abkommen geregelt, die Felle brauchen einen Herkunftsnachweis. Kanada ist aktuell das einzige Land, aus dem man überhaupt offiziell Eisbärenfelle kaufen kann.
Nachhaltig oder nicht?
Einer der Orte, an dem diese kanadischen Eisbärenfelle legal erhältlich sind, ist das Hinterzimmer eines Ladens in Bergen. Joffes Team hat dort mit versteckter Kamera gedreht. NRK hat den Laden nun für eine Reportage ebenfalls aufgesucht. Dabei werden zumindest Zweifel gesät, ob die kanadischen Eisbärenfelle wirklich nachhaltiger Jagd entstammen. Zitiert wird ein norwegischer Bericht, dessen Hauptbotschaft ist: „Wir können nicht ausschließen, dass der internationale Handel mit Eisbären aus Kanada das Überleben dieser Art gefährden könnte.“ Wie NRK außerdem berichtet, tauschte der Ladenbesitzer die Markierung aus Kanada mit seinem eigenen Logo aus, um Touristen zu suggerieren, es handele sich um welche von Spitzbergen.
CITES: Handel vor Artenschutz?
Filmemacher Joffe beschreibt seine Erfahrungen in einem Interview so: „Ich war natürlich davon ausgegangen, dass es bei CITES (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) um gefährdete Arten geht, aber es handelt sich um eine Konferenz, bei der der Handel an erster Stelle steht und der Artenschutz erst an zweiter. Ich glaube, die Leute wären überrascht, wie umfangreich der Handel mit so vielen der weltweit gefährdeten Arten tatsächlich ist.“
Früherer Artikel zum Thema:
Warum auf Spitzbergen kanadische Eisbären-Felle verkauft werden
