Die Falschen ausgewiesen: Schweden muss Politik korrigieren

Schweden.  „Weniger Ausländer“ war ein Punkt, der die aktuellen Regierungsparteien und ihre Unterstützer, die Schwedendemokraten,  im Wahlkampf verband. Dies galt unter anderem als Mittel gegen Kriminalität. Es häuften sich jetzt aber Presseberichte über die Ausweisung unbescholtener Schüler und voll integrierter, dringend  benötigter Pflegekräfte. Nun zog die Regierung ein halbes Jahr vor der Wahl die Notbremse und pausiert unter anderem die Ausweisung junger Menschen. Darüber berichtete SVT.

schwedische Flagge

Schweden macht es Zuwanderern nicht einfach.

Der Fall von „Baby Emanuel“  setzte der Serie von Ausweisungsbeschlüssen die Krone auf: Ein acht Monate alter Säugling sollte innerhalb von vier Wochen in den Iran ausreisen, obwohl seine Familie – noch für einige Monate – eine Aufenthaltsgenehmigung hatte. Man könne dem Baby keine Aufenthaltsgenehmigung geben, weil der Paragraf, nach dem die Mutter eine Aufenthaltsgenehmigung hat, nicht mehr gelte, so der Pressevertreter der Ausländerbehörde. Ausweisungen in den Iran finden allerdings zurzeit nicht statt.

Zwei Änderungen mit weitreichenden Folgen

Hintergrund der vielen Ausweisungen vollkommen unbescholtener, integrierter Menschen sind vor allem zwei Änderungen, die die aktuelle Regierung durchgeführt hat:

  • „Tonårsutvisningar“: Junge Menschen, die als Minderjährige mit ihren Eltern aus einem Nicht-EU/EWR-Land gekommen sind, werden juristisch von ihren Familien abgekoppelt, sobald sie 18 werden und damit volljährig sind. Sie brauchen dann eine eigene Aufenthaltsgenehmigung, selbst wenn ihre Familie eine hat. Diese Aufenthaltsgenehmigung stellt Forderungen, die von einem so jungen Menschen kaum zu erfüllen sind. Familie, schwedische Schulbildung und jahrelanger Aufenthalt im Land zählen nicht. Mehrere Medien berichteten über den Fall von zwei Schwestern Anfang 20, die im Herbst in den Iran ausgewiesen wurden und dort nun um ihr Leben fürchten.  
  • „Spårbyte abgeschafft“: In der Vergangenheit war es Menschen aus Nicht-EU/EWR-Ländern  durch einen sogenannten „Spurwechsel“ (schwedisch „spårbyte“) möglich, in Schweden zu bleiben, wenn man eine ausreichend gut bezahlte Arbeit hatte. Diese Möglichkeit des Spurwechsels wurde abgeschafft und damit auch die Grundlagen all derer, die durch diese Tür zu einer Aufenthaltsgenehmigung in Schweden gekommen waren. „Baby Emanuels“ Mutter hatte durch so einen Spurwechsel das Aufenthaltsrecht für ihre Familie gesichert. „Spurwechsler“ müssen in ihr Herkunftsland zurück und können nur von dort einen neuen Antrag stellen.

Hohe Lohnuntergrenze

Es ist weiterhin möglich, zum Arbeiten nach Schweden zu kommen, allerdings wurde die Lohnuntergrenze für Menschen von außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) von der aktuellen Regierung stark erhöht (aktuell 29 680 SEK/Monat, ab Juni 33 390 SEK/Monat). Als Hilfskraft in der Pflege erhält man solche Summen nicht. Ein Seniorenwohnheim in Harads (Norrbotten) verlor aufgrund der neuen Gesetzgebung ein Viertel seiner Angestellten, 20 Personen. 

Regierung reagiert nach zahlreichen Medienberichten

In den vergangenen Monaten häuften sich Berichte in den Medien über die Ausweisung junger, unbescholtener Menschen, die akzentfrei schwedisch sprechen, teilweise noch in die Schule gehen, und nun allein ausgewiesen werden, unter anderem in Krisenregionen. Dazu kommen die Klagen der Kommunen über fehlendes Pflegepersonal und zu hohe Lohnuntergrenzen. Angesichts der Diskussionen, die das hervorrief, sah sich die Regierung nun gezwungen, zurückzurudern. Unter anderem 

  • sollen diejenigen, die ihre Aufenthaltsgenehmigung über einen „Spurwechsel“ erhalten hatten, von Schweden aus eine neue Aufenthaltsgenehmigung beantragen können.
  • sollen für Pflegeberufe niedrigere Lohnuntergrenzen gelten, da es dort Personalmangel gibt.
  • soll ein Moratorium für die Ausweisung junger Erwachsener gelten, bis es eine neue gesetzliche Regelung gibt.

Keine Hilfe für diejenigen, über die schon beschlossen wurde

Für diejenigen jungen Leute, die schon ihren Ausweisungsbeschluss erhalten haben, scheint der medial feierlich verkündete Stopp aber nichts zu bringen: „Migrationsverket (die Ausländerbehörde) erklärte, es gebe keinen Stopp in der Umsetzung – die, die bereits einen Beschluss erhalten haben, dass sie aus Schweden ausgewiesen werden, sollen das Land weiterhin verlassen“, schreibt Aftonbladet in einem Artikel über drei junge Leute, die aktuell genau davon betroffen sind. 

Ergänzt durch den Hinweis, dass Ausweisungen in den Iran zurzeit nicht stattfinden,

Schweden wählt am 13. September ein neues Parlament. Zur aktuellen Regierungskonstellation aus Moderaten, Christdemokraten und Liberalen:

Schweden bekommt SD-Regierung ohne SD

 

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Grindavík: Abreißen, Reparieren, Warten

Grindavík (Island). In Grindavík hat nun der Abriss von Häusern begonnen, die nicht mehr zu reparieren sind. Meist stehen sie auch auf Erdspalten und sind deshalb unsicher. Dieser Schritt sei notwendig, um die Spalten aufzufüllen und die Stadt wieder sicher zu machen, heißt es von der Kommune Grindavíkurbær. Der Vulkan verhält sich weiterhin ruhig – es ist aktuell völlig unklar, ob und wann er noch einmal ausbrechen wird. Darüber berichteten auch RÚV und mbl.is.

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Jetzt NATO-Manöver Cold Response in Norwegen und Finnland

Norwegen/Finnland/Schweden. Gestern hat das NATO-Manöver Cold Response 2026 begonnen. Rund 25 000 Soldaten aus 14 Ländern werden dabei vor allem in Nordnorwegen und Nordfinnland, aber auch in Nordschweden gemeinsam üben, an Land, auf See und in der Luft. Die Hauptphase geht vom 9. bis zum 19. März. Einige US-Flugzeuge sind jedoch für den Iran-Krieg abgezogen worden, auch der französische Flugzeugträger ist wieder umgedreht. 

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Zinkprojekt Citronenfjord in Nordgrönland gescheitert

Citronenfjord (Grönland). Es soll das größte noch nicht ausgebeutete Zinkvorkommen sein. Es sollte 500 Arbeitsplätze schaffen und mit seinen Steuern die grönländische Staatskasse füllen. Aber so kam es nicht. Die Gesellschaft hinter dem Zinkprojekt im Citronenfjord in Nordgrönland hat das Projekt aufgegeben. Darüber berichtete KNR.

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Von Lawine verschüttete Person wahrscheinlich umgekommen

Narvik (Norwegen). Die Lawinengefahr im Narvikfjell ist aktuell hoch – so hoch, dass auch gestern nur Helikopter und keine Bodenmannschaften eingesetzt werden konnten, um die am Donnerstag von einer Lawine verschüttete Person zu finden. Laut NRK gehörte sie zu einer dreiköpfigen Gruppe Touristen aus Frankreich. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die vermisste Person umgekommen ist. Darüber berichtete auch NRK.

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Isländer sollen am 29. August über EU-Verhandlungen entscheiden

Island. Soll Island die Verhandlungen für einen EU-Beitritt des Landes wieder aufnehmen oder nicht? Darüber können die Isländer am 29. August selbst  abstimmen. Das kündigte die Regierung gestern an. Das Parlament wird kommende Woche den entsprechenden Beschluss fassen. Darüber berichtete RÚV. 

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Hohe Lawinengefahr – eine Person im Narvikfjell vermisst

Narvik (Norwegen). Ein Person ist am Nachmittag im Fjell bei Narvik von einer Lawine verschüttet worden und wird immer noch vermisst. Das meldete die Polizei Nordland.  Hubschrauber waren im Einsatz, konnten wegen des schlechten Wettes aber keine Suchmannschaften absetzen, Wegen der fortgesetzten Lawinengefahr konnten Rettungskräfte aber auch nicht zu Fuß ins Gebiet. Die vermisste Person war mit zwei anderen unterwegs, die sich retten konnten, es handelt sich nach bisherigen Informationen um ausländische Touristen. Die Lawine ging am Tverfjell ab, im Gebiet Helligvatnet zwischen Beisfjord und der schwedischen Grenze. Die Suche soll morgen bei Tageslicht fortgesetzt werden.

Die Lawinengefahr in Troms und Nordland ist aktuell hoch. 

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Finnmarksløpet 2026 startet mit Plusgraden

Alta (Norwegen). Heute ab 12 Uhr starten in Alta die Teilnehmer der längsten Distanz des Finnmarksløpet, Europas längstem Schlittenhunderennen mit diesmal 1139 Kilometern. Die Bedingungen sind nicht optimal: Es sind Plusgrade und Schneeregen angesagt. Morgen starten die Teilnehmer auf den kürzeren Strecken. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Rennverlauf zu verfolgen. Das GPS-Tracking ist in diesem Jahr allerdings erstmals kostenpflichtig. Über das Rennen berichtet auch NRK.

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Doppelter Eissauna-Rekordbau in und bei Oulu

Oulu/Oulainen (Finnland). Wer hat die größte Eissauna? Auf diesen Titel im Guinness-Buch der Rekorde hatten es gleich zwei Projekte abgesehen, die nur 100 Kilometer voneinander entfernt entstanden und lange nichts voneinander wussten: Eins in Oulu und eins am See Piipsjärvi bei Oulainen. Die Oulu-Sauna besteht dabei aus den Eisblöcken, die aus dem Fluss gesägt wurden, um ein Becken für die Winterschwimmer-Weltmeisterschaft zu erhalten.  Darüber berichtete Yle, wo es auch Videos aus den Eissaunen gibt. 

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Auf Spitzbergen leben Menschen aus 66 Ländern

Spitzbergen (Norwegen). Auf Spitzbergen leben aktuell 2904 Menschen aus 66 Ländern, meldete das norwegische Statistikamt SSB. Davon haben 1598 die norwegische Staatsbürgerschaft. Ihr Anteil ist gegenüber dem Vorjahr nicht gestiegen. Das Ziel der norwegischen Regierung, Longyearbyen „norwegisch“ zu halten, scheint sich nicht so einfach zu erfüllen. Darüber berichtete auch Svalbardposten.

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