Island. Vor Island braut sich etwas zusammen: Auf der einen Seite Kristján Loftssons Walfänger, die inzwischen schon zehn Finnwale erlegt haben. Auf der anderen Seite die Crew der Paul Watson Foundation mit dem Schiff Bandero, inzwischen in isländischen Gewässern, als „Operation 86“ unterwegs – damals wurden zwei von vier Walfangschiffen versenkt. Das Küstenwachschiff Þor soll „Leib und Leben schützen“. Darüber berichteten RÚV, Morgunblaðið und Vísir.
Die „Bandero“ befindet sich innerhalb Islands ökonomischer Zone (200-Seemeilen-Grenze), aber noch nicht innerhalb der isländischen Hoheitsgewässer (12 Seemeilen-Grenze). Das Schiff fährt laut Medien mit abgeschaltetem Identifikationssystem (AIS), wurde aber vom isländischen Aufklärungsflugzeug entdeckt. Es wurde verpflichtet, seine Position stündlich durchzugeben, was offenbar „aufgrund eines Schreibfehlers“, wie Watson mitteilte, anfangs nicht gelang. Inzwischen teilt das Schiff seine Position regelmäßig mit.
Vier Harpunen für einen Wal
Kristján Loftsson, Eigentümer der Walfang-Reederei Hvalur ehf und treibende Kraft hinter Islands Walfang, hat gerade noch zwei andere Probleme. Zum einen war einer der Wale, die unter den Argusaugen von Aktivisten in Hvalfjörður an Land gezogen werden, sichtlich nicht am ersten Harpunenschuss gestorben, wie es die Auflagen fordern, sondern es brauchte insgesamt vier. Laut Aufsichtsbehörde (MAST) kämpfte das Tier, geschossen am 22. Juni, eine halbe Stunde mit dem Tod. Genau wegen eines solchen Falls waren die Auflagen für den Walfang 2023 deutlich verschärft worden. Der neue Fall wird nun von MAST untersucht.
Obszöne Geste vor den Kameras
Die Anlandung des jüngsten Fangs entwickelte sich zu einer anderen Art von Spektakel: Beim Hochziehen des Wals wurde die isländische Nationalhymne gespielt. Und ein junger Mitarbeiter packte den (riesigen) Walpenis und wedelte damit herum – vor den Kameras der Medien (siehe Clip hier). Daraufhin entwickelte sich eine öffentliche Diskussion über diese Gesten.
Ministerin findet Verhalten „respektlos“
Die zuständige Ministerin Hanna Katrín Friðriksson, von der bekannt ist, dass sie den Walfang gerne beenden möchte, war darüber wenig erfreut – zun einen wegen der Nutzung des Nationalhymne zu diesem Zweck, zum anderen wegen der Geste des jungen Mannes. Dies sei respektlos und helfe sicherlich nicht Islands Reputation im Ausland. Sie kritisierte aber auch die Drohungen von Seiten Watsons.
Watson: „Keine Gefahr für die Crew“
Paul Watson, der allerdings nicht selbst an Bord ist, hatte als Ziel ausgegeben, den isländischen Walfang nun ein für alle Mal stoppen zu wollen. Gegenüber der RÚV-Journalistin sagte er aber, man wolle die Crew nicht in Gefahr bringen. Als 1986 die beiden Walfangschiffe im Hafen versenkt wurden – durch Öffnen der Ventile – , war kein Besatzungsmitglied an Bord gewesen. Einer der beiden Aktivisten von damals ist an Bord der Bandero. Watson verweist auch auf die existierenden internationalen Vereinbarungen zum Walschutz – er bezeichnet Islands Walfang als illegal.
„Geht nicht um Walfang, sondern um Sicherheit der Seeleute“
Die isländische Justizministerin Þorbjörg Sigríður Gunnlaugsdóttir sieht das etwas anders: Es gehe nicht um Walfang, sondern um die Sicherheit der Seeleute. Sie übten eine Tätigkeit aus, die auf Island legal sei. Deshalb soll das Küstenwachschiff Þor die Bandero überwachen. Und die Walfangschiffe Hvalur 8 und 9 haben die Erlaubnis erhalten, ihre AIS auszustellen.
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