Erster europäischer Lithium-Abbau gestartet – in Finnland

Kokkola/Kaustinen (Finnland). Gestern wurde die erste Salve der neuen Grube bei Syväjärvi gesprengt – und damit ist der Abbau des Lithium-Vorkommens zwischen Kaustinen und Kokkola in Gang. Es ist das erste Projekt in Europa und geplant als integriertes System von Abbau, Anreicherung und Raffinerie in derselben Region in Mittelfinnland. Ein Problem beim Aufbau waren die hohen Investitionskosten bei fallenden Lithiumpreisen. Darüber berichtete Yle.

Der Lithium-Abbau in Finnland ist lange vorbereitet worden. Foto Sibanye-Stillwater

Hinter dem Lithium-Projekt steckt das finnische Unternehmen Keliber, das sich zu diesem Zweck vor 25 Jahren gegründet hat. Mehrfach drohte das Vorhaben aus finanziellen Gründen zu scheitern. Ende 2022 übernahm jedoch das in Südafrika gelistete Bergbauunternehmen Sibanye-Stillwater 80 Prozent von Keliber, 20 Prozent hält die staatliche finnische Finnish Minerals Group. Damals war der Lithiumpreis sehr hoch – das änderte sich in den Jahren darauf deutlich, und 2025 schien es schon fraglich, was aus dem Projekt wird, obwohl die Anreicherungsanlage in Päiväneva bei Kaustinen und die Raffinerie in Kokkola zur weiteren Verarbeitung des Lithiums bereits im Bau waren. 

Erst Abbau und Anreicherung, dann Raffinerie

Im Januar gab Sibanye-Stillwater nun aber grünes Licht für den Start, der schrittweise erfolgen soll: zuerst die Grube und das Anreicherungswerk, in einem weiteren Schritt nach Analyse des Marktes auch die Raffinerie. Von Kokkola aus könnte das Produkt an europäische Batteriehersteller gehen. Laut Sibanye-Stillwater ist eine jährliche Produktion von 15 000 Tonnen Lithiumhydroxid Monohydrat geplant, die vorhandenen Vorkommen sollen nach jetzigem Stand für 18 Jahre reichen. Das in Syväjärvi ist das erste, das nun abgebaut werden soll, sechs weitere sollen später dazukommen. Sie verteilen sich auf einer Fläche von mehr als 500 Quadratkilometern zwischen Kaustinen und Kokkola in Mittelfinnland. 

Kurze Transportwege

Insgesamt 800 Millionen Euro investieren die Partner, um den Start zu ermöglichen. Die Kosten waren unter anderem durch die Umweltauflagen für die Raffinerie noch einmal gestiegen. Als Nebenprodukt aus dem Verarbeitungsprozess soll ein Material als Bausand vertrieben werden können. Die drei Keliber-Standorte sollen, voll in Betrieb, um die 350 Leute beschäftigen. Für den Erfolg ist die Entwicklung des Lithiumpreises entscheidend. Keliber-CEO Hannu Hautala setzt darauf, dass die geringen Transportkosten aus Finnland für europäische Batteriehersteller ein Vorteil sind. Und er setzt darauf, dass dies ein Produkt ist, das die Gesellschaft braucht – komplett aus europäischer Produktion.

Früherer Artikel zum Thema:

2026 erstes Lithium aus europäischem Abbau?

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Erosion bei Reynisfjara: Strand nach starkem Ostwind weggespült

Mýrdalshreppur (Island). Der berühmte und auch berüchtigte Strand Reynisfjara in Südisland ist den vergangenen Tagen massiv erodiert. Starke, vom Wind getriebene Strömungen haben eine riesige Menge Sand weggespült. Gleich hinter den Warnschildern geht es nun steil bergab, und das Meer umspült nun die Basaltformation. Darüber berichteten RÚV und Morgunblaðið.

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Erdbebenschwarm vor Reykjanes – keine Anzeichen für Eruption

Eldey (Island). Seit Sonntag Mittag hat die Erde am äußersten Ende von Reykjanes mehr als 500 Mal gebebt – oft nur leicht, vier Mal aber auch stärker als 3. Das zeigen die Aufzeichnungen des isländischen Wetterdienstes (Veðurstofa). Der Erdbebenschwarm konzentrierte sich auf die Umgebung der Insel Eldey.  Gleichzeitig warten alle gespannt darauf, ob sich die Ausbruchsserie an der Kraterreihe Sundhnúksgígar fortsetzt, denn darunter haben sich inzwischen 21 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt. Doch dort scheint es weiterhin ruhig.

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Januar 2026: Nuuk so warm wie Kopenhagen

Grönland. Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen und die grönländische Hauptstadt Nuuk hatten im Januar 2026 beide Durchschnittstemperaturen um den Gefrierpunkt – für erstere ungewöhnlich kalt, für letztere so warm wie noch nie. Für dänische Meteorologen im Prinzip durchaus ein bekanntes Phänomen: Sie nennen es die „Temperaturwippe“ – im Winter landen Dänemark und Grönland oft in gegensätzlichen Wettersystemen. Einen so warmen Januar an Grönlands Westküste gab es allerdings bisher nicht. Darüber berichteten Sermitsiaq und das dänische Meteorologische Institut (DMI) selbst.

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Trotz Eis-Rückzug: Eisbären auf Spitzbergen geht es gut

Spitzbergen (Norwegen). Das Meereis um Spitzbergen herum wird immer weniger, und auch in diesem Jahr wird der Isfjord voraussichtlich nicht zufrieren. Die Wissenschaftler des Norwegischen Polarinstituts untersuchen deshalb seit den 1990er Jahren jährlich Eisbären der Region, um zu sehen, wie sich diese Veränderung auf sie auswirkt. Und erlebten eine Überraschung: Anders als in ähnlichen Regionen geht es den Eisbären auf und um Spitzbergen weiterhin gut. Einer der Faktoren: Sie fressen inzwischen auch andere Beute. Die Studie dazu ist in den Scientific Reports von Nature erschienen.

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Kanadas Konsulat in Nuuk jetzt offiziell eingeweiht

Nuuk (Grönland). Kanada hat gestern sein neues Konsulat in Nuuk offiziell eingeweiht. Dazu reisten die kanadische Außenministerin Anita Anand und Generalgouverneurin Mary Simon an, aber auch eine große Delegation Inuit aus der kanadischen Region Nunavik. Darüber berichteten Sermitsiaq, KNR und CBC. Auch der neue französische Generalkonsul für Nuuk ist eingetroffen – ihm fehlt aber noch ein Büro. 

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Grönland: 76 Prozent sehen keinen Vorteil, Teil der USA zu sein

Grönland. Drei Viertel der grönländischen Bevölkerung sehen keine Vorteile darin, zu den USA zu gehören. Das ergab eine aktuelle Umfrage mit dem Fragebogen des Wahlanalytikers Sune Steffen Hansen für die Copenhagen Post, durchgeführt von Opinion Danmark A/S. Daraus berichtete auch Sermitsiaq. 

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Eis auf der Ostsee: Alle Eisbrecher werden gebraucht

Finnland/Schweden. Aufgrund der kalten Temperaturen ist das Eis auf der Ostsee in den vergangenen Tagen weiter schnell gewachsen. Finnland hat inzwischen sämtliche Eisbrecher im Dienst. Auch in Schweden wird voraussichtlich bald der letzte, Forschungseisbrecher Oden, eingesetzt. Mit 140 000 Quadratkilometern liegt schon jetzt mehr Eis als im Vorjahr (Maximum 85 000 km²) und 2024 (Maximum 135 000 km²).

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Heute eröffnet der Wintermarkt von Jokkmokk

Jokkmokk (Schweden). Das Wetter ist, wie es sich gehört zum Wintermarkt von Jokkmokk: kalt. Zur offiziellen Eröffnung heute Abend soll die Temperatur auf -20°C fallen. Morgen öffnen die Marktstände, Veranstaltungen laufen schon die ganze Woche. Zumindest einen Blick auf das Spektakel werfen kann man auch von zu Hause aus mit warmen Füßen: SVT überträgt am Samstag ab 12 Uhr „Renrajden“, den Zug der Rentiere, über den Markt.

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Containerschiff-Strandung: Familie darf nach acht Monaten zurück

Trondheim (Norwegen). Erinnert sich noch jemand an das Frachtschiff, das bei Trondheim geradeaus auf Land gefahren war? Insbesondere für eine Anlieger-Familie hatte das große Folgen: Erst jetzt, acht Monate später, darf sie zurück in ihr Haus. Der Strand ist verschwunden, und das Ufer musste für 14 Millionen NOK gesichert werden. Darüber berichtete NRK.

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