Longyearbyen/Spitzbergen (Norwegen). Der letzte Handschlag ist getan: Gruve 7, die letzte aktive norwegische Kohlegrube, ist nun verschlossen. Der Schlüssel wurde in den Grubeneingang geworfen. Damit ist der norwegische Kohlebergbau auf Spitzbergen endgültig Geschichte. Darüber berichteten Svalbardposten und NRK.
Der Prozess des Abschieds hatte mehrere Wegmarken:
- Am 19. Oktober 2023 stellte die Energieversorgung des Ortes Longyearbyen auf Diesel um. Das störungsanfällige Kohlekraftwerk wurde endgültig abgeschaltet und damit auch ein großer Luftverschmutzer. Allerdings muss der Diesel nach Spitzbergen transportiert werden, die Kohle gab es vor Ort. Der Diesel soll allerdings nur eine Zwischenlösung sein. An einer klimafreundlichen Lösung wird noch gearbeitet.
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König Harald und Königin Sonja ehren die Rolle der Grubenarbeiter am Denkmal in Longyearbyen, Juni 2025.
Die letzte noch einfach zugängliche, qualitativ hochwertige Kohle wurde noch bis zum Sommer 2025 abgebaut und an ein deutsches Unternehmen verschifft, das die Kohle für seine industriellen Prozesse benötigte. Am 30. Juni 2025 wurde die letzte Menge abgefahren. Zum Abschied vom Kohlebergbau war sogar der norwegische König nach Longyearbyen gekommen. Die noch im Berg verbliebene Kohle ist laut dem staatseigenen Grubenunternehmen Store Norske minderwertig und nicht wirtschaftlich abzubauen.
- Seit der letzten Lieferung waren die vor Ort verbliebenen Bergarbeiter nur noch damit beschäftigt, die Grube aufzuräumen und alles abzutransportieren, was nicht vor Ort verbleiben sollte, inklusive verunreinigender Materialien. Diese Aufgabe war gestern, 4. Mai 2026, erfüllt. In einer Zeremonie verabschiedeten sich die letzten 22 Arbeiter von ihrer Grube. Der Schlüssel wurde in den Eingang geworfen.
Der Kohlebergbau hatte mehrere Funktionen
Der Ort Longyearbyen wurde 1906 für den Kohlebergbau gegründet. Gruve 7 war die letzte norwegische Grube in Betrieb gewesen. Der mehr als ein Jahrhundert lang betriebene Bergbau auf Spitzbergen hatte für Norwegen mehrere Funktionen gehabt: Kohle war eine lokal verfügbare Energiequelle, sie schaffte Arbeitsplätze vor Ort und ermöglichte so auch eine Präsenz vor Ort, um die norwegische Souveränität auf der Inselgruppe zu unterstreichen. In der russischen Siedlung Barentsburg wird noch Kohle abgebaut, wenn auch nur noch in geringem Umfang – aus ebendiesen Gründen: Die Kohle befeuert die Energieerzeugung in Barentsburg und Pyramiden, und Russland nimmt damit die Rechte wahr, die das Land laut Spitzbergenvertrag hat.
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